Wie geht man vor, wenn man Jugendlichen ein Land vorstellen möchte? Das erste Land, das ich vorgestellt habe, war Deutschland. Das hatte den einfachen Grund, dass ich mich mit Deutschland natür­lich besser auskenne als mit den anderen Ländern der EU.

Wie sieht nun eine Präsentation über Deutschland aus? Bratwurst, Bier und Fußballweltmeister. Fertig? So einfach habe ich es mir natürlich nicht gemacht. Ich hatte mir es nämlich zum Ziel gesetzt während dieser ganzen Länderpräsentationen nicht nur einfach Stereo­typen wiederzugeben, sondern ein differenzierteres Bild zu zeichnen. So habe ich also versucht, möglichst viele Bereiche (Sport, Politik, Geschichte, Essen, etc.) abzudecken und Deutschland nicht auf das sonst sehr verbreitete (bayrische) Außenbild zu reduzieren. Doch ich habe schnell gemerkt, dass mit Informationen voll­gestopfte Power-Point-Präsentationen nicht das richtige Mittel sind um Jugendliche 60 Minuten lang nicht nur Wissen zukommen zu lassen sondern auch noch zu unterhalten. So hatten wir anfangs um die 30 Kinder, spä­ter nahm es mehr und mehr ab. Mittlerweile kommen nur noch zwischen vier und neun Jugendliche.

Aber ich finde das auch schön. Ich kenne die Teilnehmer schon gut und es macht Spaß auf einem individuelleren Level mit ihnen zu arbeiten. Zudem kann ich auch Methoden anwenden, die besser mit einer geringen Teilnehmer­zahl durchzuführen sind. Beispielsweise haben wir die letzten Male Poster und Collagen erstellt, was den Kin­dern viel Spaß gemacht hat. Mit dem soeben Geschilderten kann man gut die Prozess-Resultat-Problematik der non-formalen Bildung darstellen. Doch darauf werde ich im Bereich „non-formale Bildung“ noch gezielter eingehen.

Um noch mal auf eine andere Problematik zurückzukommen. Wie stellt man am besten ein Land vor, ohne auf Stereotype zurückzugreifen? Diese Aufgabe stellt sich als ziemlich schwierig heraus, wenn man selber nicht aus dem Land kommt oder für längere Zeit dort gelebt hat. So entscheide ich mich bei den meis­ten Ländern für einen Mix aus landestypischen Eigenschaften aus den Bereichen Essen, Kultur und  Sprache. Manchmal fließen je nach Land noch berühmte Persönlichkeiten, geschichtliche oder geografische Aspekte ein.

 


Die Deutschklasse war lange Zeit meine Lieblingsklasse. Die Teilnehmer waren von Beginn an sehr motiviert und wissbegierig und ich habe mir immer wieder neue Methoden und Spiele ausgedacht, um ihnen die deutsche Sprache auf spielerische Art und Weise beizubringen. Auch die Rückmeldung aus der Schule der Kinder war sehr positiv. So würden sie dem Deutschunterricht besser folgen und könnten auch den Beiträgen ihrer Deutschlehrerin besser folgen.

Wir (vor allem Roberta und Aida) haben sogar ein Video über die Deutschklasse gedreht, in der die Teilnehmer erzählen, warum sie so gerne an den Deutscheinheiten teil­nehmen und wie sich ihr Deutsch verbessert hat.

So hatte ich sogar im März den Entschluss gefasst, ein Thea­terstück zu schreiben und dieses mit den Teilnehmern der Deutschklasse einzuüben. Doch bin ich in den letz­ten Wochen wieder von dieser Idee abgerückt, weil viele Teilnehmer leider nur noch unregelmäßig an den Sitzungen teilnehmen. Und da wir eh nur eine Stunde pro Woche haben, reicht das nicht aus, um so ein an­spruchsvolles Projekt umzusetzen.

Also bin ich dazu übergegangen kleinere Rollenspieleinheiten in die Stunden einzubauen und auch das Thema Emotionen zu behandeln. Insgesamt macht mir aber die Deutschklasse viel Spaß und bietet mir außerdem Gelegenheit, meine Kenntnisse der deutschen Grammatik und im didaktischen Bereich zu erweitern. Sollte ich nämlich dieses Jahr anfangen, in St. Petersburg zu studieren, möchte ich mir teilweise das Studium durch privaten Deutschunterricht finanzieren.

 


Englischklasse

Die Englischklasse lief zu Beginn auch Recht erfolgreich. Das ursprüngliche Konzept sah vor, dass es sich um eher um einen Klub als um eine Klasse handeln sollte. Also ich Themen vorbereite und die Sitzungen leite, aber während der Einheiten alle am Gespräch und an den Diskussionen teilnehmen.

Doch schon nach der zweiten Sitzung stellte sich heraus, dass das Sprachniveau einiger Teilnehmer bei Weitem nicht dazu ausreichen würde eine halbwegs vernünftige Diskussion zu führen. Dementsprechend senkte ich das Anspruchsniveau und legte den Fokus auf die Vermittlung von Grammatik. Es bestand aber weiterhin die Problematik, dass es nun Leute gab, für die die Grammatikerläuterungen zu langweilig waren, da sie schon viel besser Englisch sprechen konnten als die anderen. So kamen einige Teilnehmer nach den ersten Sitzungen nicht mehr zur Klasse. Generell nahmen viele Leute aus verschiedenen Gründen nur sehr unregelmäßig an den Sitzungen teil.

Die einzigen, die mehr oder weniger regelmäßig zu den Sitzungen kamen, waren die YCCD-Mitglieder, mein Gastvater Ararat und Nelli (die Frau eines guten Freundes von Ararat). So habe ich mich im April dazu entschlossen, die Englischklasse dichtzumachen und ein anderes Konzept zu verfolgen. Seit Mai gebe ich nun individuellen Englischunterricht und versuche so, einigen Leute aus Dilijan Englisch beizubringen. Dieses Angebot meinerseits wird sehr gerne wahrgenommen und ich habe bereits neun Leute, denen ich ein oder zwei Mal die Woche Englisch beibringe. Dabei reicht das Alter von zehn Jahren bis Ende zwanzig. Manch­mal lerne ich sogar noch ein wenig Armenisch dabei, wenn ich meine Schüler oder diese mich Vokabeln abfra­gen.